"Quarantäne als Retreat verstehen"

"Quarantäne als Retreat verstehen"

Was bewirkt die Krise rund um das Coronavirus in unserem Leben? Es zwingt uns zum Innehalten, zum Entschleunigen. Wir haben Ganzheitsmediziner Dr. Ruediger Dahlke gefragt, wie und warum uns diese Situation zu mehr Bewusstsein verhelfen kann.

Lust aufs LEBEN: Alles dreht sich nun um das Coronavirus. Was kann man aus ganzheitlicher Betrachtungsweise dazu sagen?
Dr. Dahlke: Der Erreger Covid-19 aus der großen Gruppe der Coronaviren bringt uns zur Ruhe, lehrt Betroffene, also Infizierte, aber zuneh- mend uns alle, für sich zu sein, auf sich zu schauen.

Lust aufs LEBEN: Man kann der aktuellen Krisensituation also auch Positives abgewinnen?
Dr. Dahlke: Auf jeden Fall. Quarantäne kann man ja auch als Retreat verstehen. Was ist daran so schlimm, wenn wir einmal 14 Tage Pause machen dürfen? Aller- dings meine ich, wäre diese Zeit so viel besser zu nutzen, als sie mit Computerspielen totzuschlagen. Wir könnten uns auf uns besinnen und zu einem generell gesünderen Lebensstil finden. Was ist so schlimm daran, einmal ganz alleine Waldspaziergänge zu machen? Auch Waldbaden ist enorm immunkraftsteigernd – das ist sogar wissenschaftlich belegt.

Lust aufs LEBEN: Viele Menschen haben nun einfach Angst ..
Dr. Dahlke: Die überall – zum Glück bei uns in Österreich noch weniger – inszenierte Angst- und Panikmache reduziert die Abwehrkraft, wie die Psychoneuroimmunologie mehrfach bewiesen hat. Dass Angst ein schlechter Ratgeber ist, weiß die Volksmedizin seit langem.

Lust aufs LEBEN: Was aber hilft gegen diese Angst?
Dr. Dahlke: Wir könnten abwehrsteigernde Maßnahmen ergreifen wie Fasten oder wenigstens „Kurzzeit- fasten“ und anschließend auf pflanzlich-voll- wertige Ernährung umsteigen, wie ich das in meinem Ratgeber „Peacefood“ (erschienen im GU-Verlag) empfehle. Denn beides, Fasten und der Verzicht auf tierische Produkte wie Fleisch oder Milch, reduziert die Entzündungsbereit- schaft des Organismus. Das kann man im Labor durch den sinkenden CRP-Wert, den Entzün- dungsmarker des Körpers, nachweisen. Es gibt also eine Fülle von studiengesicherten Immun- schutz-Maßnahmen. Ich habe sie gerade zusam- mengeschrieben für mein neues Buch „Schutz vor Entzündungen“, das Anfang April erscheint anlässlich dieser eskalierenden Situation.

Lust aufs LEBEN: Welche Rolle spielen die Medien?
Dr. Dahlke: Sie könnten genau diese Botschaft besser vermitteln. Wirklich gefährdet sind etwa 16 Prozent der Bevölkerung, die wir auch von Grippewellen kennen. Das sind Menschen mit Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes 2 und Raucher. Gerade diese Patientinnen und Patienten könnten mit Lebens- stilveränderungen diese Risikosituationen wesentlich bessern – und sich selbst heilen, wie ich in gut 40 Jahren als Arzt so oft erfahren durfte.

Lust aufs LEBEN: Was bedeutet es, sich einen Virus einzufangen?
Dr. Dahlke: Das geschieht ständig und ist ganz normal. Die entscheidende Frage ist: Wie gefährlich ist dieses Covid-19 wirklich? Bei der Grippewelle 2017/18 sind in Deutschland 25.000 Menschen gestorben und es gab keine solche Angstkampagne. Ein viel zu wenig erwähnter Fakt: 84 Prozent der Infizierten spüren von Covid-19 gar nichts oder allenfalls milde Grippesymptome. Das heißt: Mehr als vier von fünf Menschen sind immunologisch so gut in Form, dass sie gar keine Angst zu haben bräuchten. Und für die verbliebenen 16 Prozent ist unsere Medizin für den Ernstfall gerüstet. Diese Gruppe müssten wir besser informieren und unterstützen. Vielleicht gelingt es diesen Menschen, ihr Risiko nachhaltig zu senken? Diese Zeit jetzt wäre ideal dafür, da sie den notwendigen Nachdruck vermittelt.

Lust aufs LEBEN: Das Coronavirus befällt die Lunge, Patienten husten. Wie würden Sie das psychosomatisch deuten?
Dr. Dahlke: „Jemandem etwas husten“ bedeutet, seine Meinung sagen, seine Aggressionen ablassen. Eine Entzündung ist der Kampf des Immunsystems gegen Erreger, in diesem Fall die Covid-19 Viren. Dahinter steht ein auf die Körperbühne gesunkener Konflikt, eine im Bewusstsein verweigerte Auseinandersetzung. Die Lunge ist das Organ unseres Gasaustausches, unser Kommunikations- und Kontaktorgan. Eine Lungenentzündung ist demnach ein Kommunikationskonflikt. Insofern sind wir von diesem Virus aufgerufen, unsere Kommunikationskonflikte zu lösen, vor allem die halb- und unbewussten. Dazu wäre es hilfreich, in sich zu gehen in diesen nun sogar von oben verordneten Zei-ten der Ruhe und Achtsamkeit und auf die innere Stimme hören zu lernen.

Lust aufs LEBEN: Inwiefern haben wir Kommunikationsprobleme?
Dr. Dahlke: Wir haben sie im Kollektiv schon lange und mit zuneh- mender Intensität. Die sogenannten Trolle, die Dauerfrustrierten, die immer Überhörten nutzen die sozialen Medien, um sich unflätig auszukotzen und gnadenlos zu projizieren. In der Politik wird ebenso gnadenlos projiziert: Immer sind die anderen schuld und werden immer abenteuerlicher beschimpft. Das schätze ich
an unserem Kanzler, dass er da in diesem Spiel nicht mitspielt.

Lust aufs LEBEN: Und was bedeutet das für den Einzelnen?
Dr. Dahlke: Der Einzelne ist jetzt ganz klar auf sich gestellt und zurückgeworfen. Die konstruktive Lösung wäre: mehr Eigenverantwortung entwickeln. Die wäre ein Allheilmittel für den größten Teil unserer Probleme. Wer sich jetzt in Eigenverantwortung um seine Gesundheit kümmert, ist auf sehr gutem Weg zu einer viel besseren Gesundheit als vor der Krise.

Lust aufs LEBEN: Wie schützen Sie sich persönlich?
Was empfehlen Sie?
Dr. Dahlke: Fasten, vegane Kost, lange Waldspaziergänge, häufiges Barfußgehen, viel Sonne wegen Vitamin D und naturheilkundliche Mittel wie Ingwer, Kren oder Brunnenkresse. Wir können wirklich Gesundheit essen statt die „Neurotransmitter der Angst“ in Form
von Fleisch von Schlachttieren. Versuchen wir doch, aus den nun auferlegten Zwängen das Beste zu machen und Hoffnung zu bewahren. In China ist das Schlimmste längst überstanden.

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