Verpasste Arztbesuche erhöhen Sterberisiko

Verpasste Arztbesuche erhöhen Sterberisiko

Psychische Erkrankungen spielen laut aktueller Studie aus Großbritannien eine wichtige Rolle.

Termine, die beim praktischen Arzt immer wieder nicht wahrgenommen werden, sind laut einer Studie der Universitäten Glasgow , Aberdeen und Lancaster ein Risikomarker für die Gesamtmortalität. Betroffen sind laut den in "BMC Medicine" veröffentlichten Ergebnissen vor allem Patienten mit psychischen Erkrankungen. Praktische Ärzte und Krankenversicherungen wie das UK National Health Service sollten daher darüber nachdenken, wie am besten Kontakt mit dieser Patientengruppe herzustellen ist, raten die Fachleute.

Je länger eine Erkrankung einer Person andauert, desto wahrscheinlicher ist es laut der Studie auch, dass Arzttermine nicht eingehalten werden. Von den 824.374 Patienten, deren Daten analysiert wurden, litten 59 Prozent an einer oder mehr langfristigen Erkrankungen. 13,3 Prozent hatten vier oder mehr derartige Erkrankungen. Patienten ohne derartige Leiden hielten ihre Arzttermine eher ein.

Psychische Gesundheit elementar

Chronische Erkrankungen, die durch psychische Faktoren verursacht wurden, standen mit einem höheren Risiko verpasster Arzttermine in Verbindung als jene, die durch körperliche Leiden ausgelöst wurden. Eine bis drei Komorbiditäten aufgrund psychischer Probleme standen mit einem 30 Prozent höheren Risiko, den Arztbesuch zu verpassen, in Verbindung.

Patienten mit vier oder mehr psychisch verursachten Langzeiterkrankungen hatten eine doppelte so hohe Wahrscheinlichkeit eines nicht eingehaltenen Termins. Patienten mit einer bis drei körperlichen Erkrankungen verpassten die Termine um 16 Prozent eher als jene Patienten ohne langfristige Erkrankungen. Personen mit vier oder mehr körperlichen Langzeiterkrankungen verfügten über ein um 38 Prozent höheres Risiko eines nicht eingehaltenen Termins.
Laut Studienautor Ross McQueenie tragen Patienten mit mehr verpassten Terminen ein höheres Risiko, im folgenden Jahr zu sterben. Langzeitpatienten, die zwei oder mehr Termine pro Jahr nicht einhielten, verfügten über eine Verdreifachung der Gesamtmortalität. Patienten mit nur psychischen Erkrankungen, die mehr als zwei Termine pro Jahr nicht absolvierten, hatten eine um das Achtfache Erhöhung der Gesamtmortalität. Patienten, bei denen langfristige psychische Erkrankungen diagnostiziert wurden, die während des Beobachtungszeitraums starben, schieden auch eher vorzeitig aus dem Leben. Häufig waren dafür externe Faktoren wie etwa Suizid verantwortlich.

Kognitive Beeinträchtigung schuld

Die Forscher werteten einen großen Datensatz zu Arztbesuchen in Schottland aus. Diese Daten wurden zwischen 2013 und 2016 in 136 Arztpraxen gesammelt. Insgesamt handelte es sich um 11,5 Mio. Arzttermine von 824.374 Patienten. Diese Daten wurden in der Folge mit dem Sterberegister abgeglichen. Da es sich um eine reine Beobachtungsstudie handelt, können die Forscher keine Schlussfolgerungen über Ursache und Wirkung ziehen. Sie gehen jedoch davon aus, dass kein direkter Zusammenhang vorliegt. Mitverantwortlich könnten jedoch Erkrankungen sein, die mit einer kognitiven Beeinträchtigung in Verbindung stehen, wie eine Demenz, Alkohol- und Drogenmissbrauch. Diese Erkrankungen standen mit einem höheren Risiko nicht eingehaltener Termine und einer erhöhten Sterblichkeit in Verbindung.