Waldspaziergang auf Rezept

Ein Spaziergang im Wald stärkt unser Immunsystem.

Ein Spaziergang im Wald stärkt unser Immunsystem.

Ein Aufenthalt in der Natur hat eine besondere Wirkung auf uns, speziell den Wäldern wird ein positiver Effekt zugeschrieben: Die Herzfrequenz verlangsamt sich, wir atmen tiefer, der Kopf wird frei. Grund genug, um wieder einmal Dr. Baum aufzusuchen. In Großstädten wie Wien bedeutet das jedoch nicht zwingend ein Ausflug aufs Land.

Jede Menge Sauerstoff, der Duft nach Pflanzen und dazu Ruhe – ein Waldspaziergang ist eine Wohltat und trägt viel zur Entspannung ein. Das entspricht auch ganz den Bedürfnissen der Österreicher. Denn laut einer Studie im Auftrag der Nationalparks Austria verstehen 73,4 Prozent der Befragten unter dem Begriff „Erholung“ gute frische Luft, gefolgt von Ruhe (72,7Prozent) und schöner Natur (70,1 Prozent).

Laut einer Britischen Studie reicht schon ein fünfminütiger Spaziergang zwischen Bäumen aus, um abschalten zu können. Die Stimmung steigt und auch das Selbstwertgefühl verbessert sich. Führt die Spazierroute dann noch an einem See oder Bach vorbei, soll das den Effekt noch einmal verstärken.

Bäume in Wien

In Wien werden Bäume auf öffentlichem Grund seit 2007 im Baumkataster registriert. Dabei werden alle Bäume neben Straßen erfasst, jene in Parks oder Wäldern nur teilweise. Grund dafür ist, dass diese genauer überwacht werden müssen, weil die Bäume neben Straßen mehr Belastungen ausgesetzt sind als die Parkbäume und diese meist auch nicht so alt werden. Aufgezeichnet werden Daten wie Alter, Gattung, Stammumfang, Kronendurchmesser und Höhe.

Übrigens: Bäume auf Privatgrund sind in diesen Aufzeichnungen zwar nicht zu finden, was nicht bedeutet, dass die Besitzer diese einfach so fällen können. Nur wenn diese zu alt sind, eine Bedrohung darstellen, die Rodung dem Erhalt anderer Bäume dient oder auf dem Grundstück umgebaut wird und der Baum im Weg steht, ist das möglich. In diesem Fall wird von der MA 42 eine entsprechende Ersatzpflanzung vorgeschrieben. Die Regelung gilt für alle Bäume, die höher als einen Meter sind und mehr als 40 Zentimeter Stammumfang haben. Ausgenommen davon sind Obstbäume, sowie Bäume in Kleingärten und Forsten.

Die Bäume haben dabei eine interessante Wirkung auf unseren Körper: Ein Spaziergang zwischen ihnen senkt nicht nur die Herzfrequenz, sondern beruhigt den Atem und sorgt dafür, dass der Stresspegel sinkt. Laut einer japanischen Studie sollen dabei sogar Killerzellen gegen Krebs aktiviert werden. Warum genau die Bäume unser Immunsystem stärken, kann bisher nur vermutet werden.

Bäume sind die grüne Lunge
Mit Blättern und Nadeln wirken die Bäume wie riesige Filter. Bei der Photosynthese bauen die Bäume über die grüne Farbe, auch Chlorophyll genannt, aus dem Kohlendioxid in der Luft und aus Wasser Nährstoffe auf. Dabei setzen sie Sauerstoff frei. So kann eine 100-jährige Buche stündlich 1,7 Kilogramm Sauerstoff freisetzen. Bei einem Buchenwald mit einer Größe von 1 Hektar sind das pro Jahr 70 Tonnen Sauerstoff.

Bäume können aber noch viel mehr, denn sie haben auch eine kühlende Funktion. Das liegt nicht nur daran, dass sie Schatten spenden, sondern sie verbrauchen auch Wasser. Dabei wird Wärme entzogen, die dann nicht die Luft aufheizen kann. Daher sind Wälder auch im Sommer immer um einige Grad kühler als Landschaften mit Gras, Feldern oder Häusern. Übrigens machen sich Tiere diese Funktion gerne zunutze. So umarmen Koalas Bäume, wenn ihnen zu heiß ist. Besonders beliebt sind dabei die dicken Stammteile unten, da diese am kühlsten sind.

Leben Landmenschen gesünder als Stadtmenschen?

Das lässt sich nicht verallgemeinern. Es ist zwar bekannt, dass Stadtmenschen häufiger an Allergien leiden und es wird vermutet, dass das damit zusammenhängt, dass Landkinder schon in den ersten Jahren mit mehr Mikroben in Kontakt kommen und somit eher abgehärtet werden, während in den Städten viel mehr auf Hygiene geachtet wird. Aber auch die Luftverschmutzung der Städte könnte der Grund dafür sein. Aber was die Lebensqualität und die Gesundheit betrifft, können schon kleine Änderungen – wie der Umzug in ein grüneres Viertel mit Parks – dazu beitragen, viel zu verbessern.

Grünflächen in Wien
Mehr als die Hälfte der Flächen in Wien sind grün. Neben dem Wienerwald, gibt es auch viele Parks wie den Prater mit einer Fläche von 6.000.000 m2, der größer ist als der Central Park in New York, den Donaupark mit 604.000 m2 oder etwa den Türkenschanzpark mit 150.000 m2 und viele andere .

Und nicht alle Landmenschen nutzen die grüne Umgebung voll aus. So dürften die Landmenschen den Stadtmenschen in puncto Bewegung hinterher sein. Zumindest, wenn man Studien in den USA glauben darf, die zeigen, dass Menschen am Land weniger aktiv und dicker sind. Das wiederum könnte damit zusammenhängen, dass das Radnetz sowie das öffentliche Verkehrsnetz in Städten meist besser ausgebaut ist. Und wer sämtliche Strecken von Tür zu Tür mit dem Auto zurücklegt, kommt mit Sicherheit nicht auf die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen 10.000 Schritte pro Tag.

Weitere Fakten aus dem Buch "Der Heilungscode der Natur" von Clemens G. Arvay (Riemann Verlag, um € 20,60):

- "Schon der Blick aus dem Krankenhausfenster auf einen Baum aktiviert bei Patienten nach Operationen Selbstheilungskräfte."
- "Die Gefahr, an modernen Zivilisationskrankheiten zu leiden, sinkt mit der steigenden Anzahl an Bäumen rund um den Lebensmittelpunkt eines Menschen. Laut einer kanadischen Studie entspräche der Gesundheitseffekt von zehn zusätzlichen Bäumen rund um den Lebensmittelpunkt der Stadtbewohner von Toronto einer Verjüngungskur um sieben Jahre"