Was macht eigentlich eine Mineralwasser-Wassersommelière?

Was macht eigentlich eine Mineralwasser-Wassersommelière?

Tina Kodritsch ist zertifizierte Wassersommelière und Mineralwasser-Expertin des Forum Natürliches Mineralwasser sowie der Wissensplattform „Österreich isst informiert“ und beantwortet einige Fragen rund ums sprudelnde Wasser.

Lust aufs LEBEN: Was genau macht ein Wassersommelier?
Tina Kodritsch: Er oder sie informiert und berät mit seinem fundierten Wissen die Kunden aus Gastronomie, dem Getränkehandel oder auch der Ernährungsberatung, über die Vielfalt, die speziellen Eigenschaften und über die Qualitäten der verschiedenen Mineralwässer. Denn: Wasser ist nicht gleich Wasser!

Lust aufs LEBEN: Wie lernt man das?
Tina Kodritsch: In Österreich gibt es seit 2019 eine Ausbildung zum zertifizierten Wassersommelier. Ich habe einen Intensivkurs absolviert, dabei viel theoretisches und sensorisches Wissen gesammelt und seither in der Praxis viele verschiedene Mineralwässer verkostet. Probieren geht schließlich über Studieren! Und nach wie vor überraschen mich die verschiedenen Geschmacksnuancen.

Lust aufs LEBEN: Kann man beispielsweise bei einem Menü im Restaurant eine Wasserbegleitung wünschen?
Tina Kodritsch: Ja, der Wassersommelier ist vor allem in der gehobenen Gastronomie stark im Kommen. Und das Kombinieren von verschiedenen Sinneswahrnehmungen und Geschmacksnuancen gehört zu seinen Kernaufgaben. Das kommt gerade beim so genannten „food pairing“ zum Tragen, also bei der Wasser-Empfehlung für die Wein- oder Essenbegleitung. Beispielsweise passt ein stilles, dezent mineralisiertes Mineralwasser hervorragend zu einem gerbstoffreicheren Rotwein, während ein sulfatreiches, hydrogencarbonathaltiges Mineralwasser gut zu einer üppigen Parmigiana mundet aber auch als Digestiv eine tolle Figur macht. Fest steht jedenfalls: es gibt für jede kulinarische Situation das passende Mineralwasser!

Lust aufs LEBEN: Hat Wasser überhaupt einen "Geschmack"?
Tina Kodritsch: Selbstverständlich unterscheiden sich Wässer in Geschmack und Haptik. Natürliche Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium oder Natrium spielen dabei eine große Rolle. Von süßlich, über leicht salzig, bis hin zu zart säuerlich, dezent bitter oder leicht adstringierend kann man diese wahrnehmen. Für das so genannte „Mundgefühl“ entscheidend sind aber auch Faktoren wie Viskosität, Textur, Kohlensäure, Nachwirkung und natürlich Temperatur. Probieren Sie es einfach selbst aus und versuchen Sie mit Ihrem Geschmacks- und Geruchssinn sowie Ihrem „Mundgefühl“ verschiedene Geschmacksnuancen zu „sammeln“ – Sie werden überrascht sein!

Lust aufs LEBEN: Woran erkenne ich ein gutes Mineralwasser?
Tina Kodritsch: Allgemein lässt sich sagen: In Österreich sind alle Mineralwässer gut, sie verfügen über harmonische, definierte Geschmacksattribute. Und da diese sehr unterschiedlich sind, hat jeder meist sein Lieblingswasser für unterschiedliche Situationen – etwa für Sport, als Weinbegleitung oder spezielle Ernährungsbedürfnisse. Mineralwasser ist ein „Naturschatz“, das aus tiefsten Gesteinsschichten in ursprünglicher Reinheit – also vom Menschen

unbehandelt – direkt an der Quelle abgefüllt wird und hat daher immer einen regionalen, ganz speziellen unnachahmlichen Charakter, der typisch für die Region ist. Und was viele nicht wissen: Es gehört zu den am strengsten kontrollierten Lebensmitteln in Österreich, Qualität ist oberstes Gebot!

Lust aufs LEBEN: Bezieht sich der Sommeliersberuf nur auf Mineralwasser oder auf alle Wasser-Arten wie Leitungswasser oder Trinkwasser aus der Quelle?
Tina Kodritsch: Er bezieht sich auf Mineralwässer, Quellwässer sowie Heilwässer.

Lust aufs LEBEN: Verraten Sie uns die drei wichtigsten Wasser-Trink-Tipps?
Tina Kodritsch: Nehmen wir den wichtigsten: Gerade jetzt, aber nicht nur im Sommer gilt: ausreichend trinken, es dürfen ruhig bis zu zwei Liter pro Tag sein. Kontinuierliches Trinken über den Tag verteilt und zu den Mahlzeiten erhöht zudem die Bioverfügbarkeit der Mineralien – diese stehen dann dem Blutkreislauf optimal zur Verfügung. Spannend ist zum Beispiel, dass die Bioverfügbarkeit von Magnesium bei Mineralwässern dreimal so hoch wie beim Genuss einer Banane ist.

Lust aufs LEBEN: Welche Trends gibt es beim Mineral-Wassertrinken?
Tina Kodritsch: Mineralwässer mit wenig bzw. ohne Kohlensäure sind gerade im Trend. Und das zuvor beschriebene „food pairing“ ebenso. Die Leute entdecken die Vielfalt, den spannenden Mineralstoffmix und die wohltuende Wirkung in verschiedenen Lebenssituationen – je nachdem, ob man einfach in Ruhe entspannen, einen Marathon laufen, konzentriert die ganze Nacht durcharbeiten oder einen besonderen Wein genießen möchte – es gibt das unterstützende Mineralwasser dazu.

Lust aufs LEBEN: Was ist der Unterschied zwischen stillem Wasser und Wasser aus der Leitung?
Tina Kodritsch: Das ist einfach: die Qualität. Diese ist beim Leitungswasser regional sehr unterschiedlich – aber in Österreich im Vergleich zu anderen Ländern gut. Trotzdem wird es mitunter einer Nachbehandlung und Aufbereitung unterzogen. Mineralwasser hingegen ist ein reines Naturprodukt, mit einem nachgewiesenen Gehalt an natürlichen Mineralstoffen und Spurenelementen, das direkt an der Quelle abgefüllt wird und bis zum Öffnen der Flasche keinen äußeren Einwirkungen unterliegt. Mineralwasser ist eine Komposition der Natur!

Lust aufs LEBEN: Was ist der größte Unterschied zwischen Soda oder Mineralwasser?
Tina Kodritsch: Mineralwasser ist von ursprünglicher Reinheit, bereichert durch natürliche Mineralstoffe und einer manchmal bis zu tausend Jahren alten persönlichen Geschichte. Sodawasser ist simples, mit CO2 oder „Sprudel“ versetztes Leitungswasser und schmeckt demnach wie das Wasser aus der Leitung, das man an seinem Wohnort hat. Bei entsprechenden Geräten zu Hause ist zudem auf genaue Wartung und Reinigung zu achten! Mineralwässer hingegen muss man nur aufschrauben und kann sofort und unbedenklich genießen.