Wie jung bin ich?

Lust aufs LEBEN-Chefredakteurin Kristin Pelzl-Scheruga

Lust aufs LEBEN-Chefredakteurin Kristin Pelzl-Scheruga

Chefredakteurin Kristin Pelzl-Scheruga über das Älterwerden.

Wir alle tun es ständig. Dennoch habe ich mich noch immer nicht daran gewöhnt: älter werden. Noch schlimmer: alt werden. Eine Selbstverständlichkeit, die schwerer zu akzeptieren scheint als so mancher Schicksalsschlag. Und obwohl gerechterweise jeder gleich schnell alt wird, scheinen doch manche schneller und manche langsamer zu altern (mehr dazu in unserer aktuellen Coverstory).

Bin ich noch jung? Wo genau verläuft die Demarkationslinie zwischen „jung“ und „alt“? Oder gibt es gar keine? Ist man alt, sobald man selbst Kinder hat? Oder erst wenn man Oma ist? Wenn man sein erstes Zahn-Implantat bekommt? Oder das erste graue Haar? „Trau keinem über 30“, hieß es in den Sechziger Jahren und damit war klar: jung bist du nur bis 29.

Heute ist das nicht mehr so: es gibt Sechzigjährige, die unverbrauchter wirken als so mancher Nadelstreif-Karrierist unter 30. Wenn „best Ager“ im Wohnmobil durch die Welt jetten oder als Rockstars ganze Stadien füllen, kann man sie schwer als „alte Pensionisten“ bezeichnen.

Man sei eben so alt, wie man sich fühlt, heißt es dann. Das hilft mir aber auch nicht weiter. Ich fühle mich im fortgeschrittenen vierten Lebensjahrzehnt nicht wesentlich anders als mit 20, sehe aber nicht mehr so aus. Wie lange darf ich noch Sneakers und Miniröcke tragen, ohne dass es peinlich wirkt? Kann ich noch dieselben Schimpfwörter verwenden wie meine Tochter? Ihre Musik hören? Ok, das will ich gar nicht. Meine Ohren sind vermutlich schon viel älter als ich.