Zaubertropfen für die Kleinen?

Zaubertropfen für die Kleinen?

Nach Einschätzung des bayerischen Gesundheitsministeriums verabreichen immer mehr Eltern ihren Kindern Schlafmittel. Die Gründe: Stress, Überforderung und Schlafstörungen bei den Eltern. Ob dies auch in Österreich zutrifft und welche Gefahren damit verbunden sind – Kinderarzt Dr. Peter Voitl klärt auf.

Warum sind Schlafmittel für Kinder überhaupt ein Thema?
Peter Voitl:
Ein schreiendes Baby erzeugt in uns Erwachsenen enormen Stress, der schwer zu ertragen ist. Das Baby hat aber vor allem in der ersten Zeit nur dieses eine Ausdrucksmittel zur Verfügung. Natürlich weinen alle Neugeborenen – jedes Baby hat in unterschiedlicher Ausprägung anfangs Schwierigkeiten, sich an die neuen Bedingungen in der Welt zu gewöhnen. Dieses Problem kann aber selbstverständlich nicht mit Schlafmitteln gelöst werden!

Ist das wirklich für alle selbstverständlich?
Voitl:
Alle wirksamen Präparate haben einen negativen Einfluss auf die kindliche Entwicklung und sollten vermieden werden. Bei Überdosierung kann es zu Atemstillständen kommen. Es gibt auch keine schonenden, natürlichen Schlafmittel.

Ist die Nachfrage nach Schlafmitteln für Kinder tatsächlich so groß?
Voitl:
Mit dem Aufkommen wirksamer pharmakologischer Schlafmittel ist auch die Nachfrage danach aufgekommen und wird immer wieder thematisiert.
Tatsächlich ist der Gebrauch von Schlafmitteln aber äußerst selten und kommt nur in Einzelfällen vor. Außerdem sind diese Substanzen rezeptpflichtig und werden naturgemäß von Ärzten kaum verordnet.

Ist der Wunsch, Babys in der Nacht ruhigzustellen, neu?
Voitl:
Im Gegenteil, der Wunsch, Babys und Kinder mit Schlafmitteln unterschiedlichster Art ruhigzustellen, ist uralt. Schon im klassischen Altertum gab es Saugtöpfe: kleine, mit Henkeln versehene Tierchen, die mit Honig gefüllt wurden. Gebräuchlich war später auch der Zusatz von Mohnköpfen oder Alkohol. Natürlich ist dies mit erheblichen Gesundheitsrisiken verbunden.

Was raten Sie Eltern?
Voitl:
Lassen Sie es nicht so weit kommen! Holen Sie sich rechtzeitig professionelle Unterstützung in dafür vorgesehenen Einrichtungen. Viele Kinderspitäler und Beratungsstellen bieten eigene Schrei- und Schlafambulanzen an. Oft helfen bereits einige, wenige Gespräche, um eine deutliche Entlastung zu bewirken, so dass Sie als Eltern wieder Ihre elterlichen Kompetenzen zurück erlangen. Wenn das Schreien für Sie eine Belastung darstellt, holen Sie sich frühzeitig Hilfe, auch wenn das Baby vielleicht noch nicht den Kriterien eines Schreibabys entspricht.