Vorsicht Restalkohol!

Vorsicht Restalkohol!

„Das schmeckt nicht, das schmeckt bitter!“ – viele Kinder merken sofort, wenn ein Nahrungsmittel Alkohol enthält. Bei Rumkugeln und Eierlikör-Torte ist der Alkohol unverkennbar – doch auch andere Lebensmittel, von denen man es sich vielleicht nicht erwartet, enthalten zum Teil noch Restalkohol. Doch was bedeutet das für uns? Dürfen Kinder nun keinen Apfelsaft mehr trinken?

Ernährungs-Expertin Monika Masik klärt auf.

Wie bedenklich sind Lebensmittel mit natürlichem Alkohol-Gehalt?
Monika Masik:
Der natürliche Alkohol-Gehalt mancher Lebensmittel ist nicht bedenklich, da er nie mehr 0,3 Volumen-Prozent des Lebensmittels ausmacht. Dazu gehört beispielsweise Kefir (dabei produziert der Kefirpilz Alkohol aus Milchzucker), Kombucha oder naturtrübe Fruchtsäfte (Hefen können den Fruchtzucker zu Alkohol vergären). Auch Früchte wie z.B. mittelreife Bananen enthalten von Natur aus Alkohol, ebenso wie Brot. Diese Lebensmittel haben aber keinen alkoholähnlichen Geschmack und es besteht keine Kennzeichnungspflicht, da dieser automatisch enthalten ist.

Wo versteckt sich überall Alkohol?
Masik:
In Süß- und Backwaren wie Rumkugeln, Konfitüren, Fertigprodukten (wie Zwiebel-Suppen und Braten-Saucen), aber auch in Fleisch- und Fischgerichten (Fischragout) ist Alkohol enthalten. Allerdings ist die Dosis bei diesen Lebensmitteln normalerweise so gering, dass keine gesundheitlichen Nebenwirkungen auftreten sollten.

Für wen besteht eine gesundheitliche Gefahr?
Masik:
Ex-Alkoholiker, Menschen, die strikt Alkohol ablehnen oder nicht konsumieren dürfen (wie z.B. Schwangere) sowie Menschen mit Bauchspeicheldrüsen- oder Lebererkrankungen sollten diese Lebensmittel meiden. Am besten stets auf die Zutatenliste achten.

Woher weiß man, ob Lebensmittel Alkohol enthalten?
Masik:
Alkohol (als Zutat im Lebensmittel) muss auf der Zutatenliste als Inhaltsstoff unter dem Namen „Alkohol“ oder mit dem Namen des jeweiligen Alkohols stehen. Zusammengesetzte alkoholische Zutaten, die weniger als zwei Prozent Alkohol im Endprodukt enthalten, müssen nicht gekennzeichnet werden. Das gilt auch für Alkohol zum Lösen oder Konservieren von Aromen. Torten, Kuchen (Eierlikör-Gugelhupf) oder Eis in Konditoreien und Gasthäusern müssen ebenfalls nicht gekennzeichnet sein. Dabei einfach nachfragen, ob und wie viel Alkohol enthalten ist. Oder Sie machen den Riech-Test: Eine Süßigkeit, die geöffnet wird und Alkohol enthält, riecht stark beim Öffnen.

Bei Rumkugeln liegt der Alkohol-Gehalt bei etwa drei Prozent - diese sind keine Süßigkeit für Kinder!

Stimmt es, dass der Alkohol beim Kochen und Backen verfliegt?
Masik:
Beim Kochen und Backen bleibt ein Restalkohol erhalten. Dieser ist aber deutlich reduziert. Ob dieser Restgehalt letztendlich Probleme verursacht, hängt von der Gesundheit der Person ab.

Wann muss man bei Kindern aufpassen?
Masik:
Bei Kindern kann die Hemmschwelle überschritten werden und gewöhnt sich dann daran. Am besten immer die Zutatenliste studieren, daran riechen und das Produkt eher vermeiden, wenn Alkohol enthalten ist (z.B. Rumkugeln). Meist sind die in anderen Produkten (Fertigsuppen) enthaltenen Alkohol-Mengen aber gering und daher für eine gesunde Kinderernährung unbedenklich. Beim Backen und Kochen für Kinder ist von Alkohol auf jeden Fall abzuraten. Außerdem mögen Kinder den bitteren Alkohol-Geschmack meist nicht.

Monika Masik ist Ernährungsexpertin in Mödling und Wien.