Intervallfasten ja – aber richtig!

Intervallfasten ja – aber richtig!

Die meisten Menschen machen beim Intervallfasten einen schweren Fehler, sagt der Wiener Hormonspezialist Prof. DDr. Johannes Huber. Sie lassen nur die Morgenmahlzeit weg. Das reicht aber nicht, um in den Autophagie-Prozess zu kommen, der beim Abnehmen helfen und uns länger jung halten soll.

Lust aufs LEBEN: Warum bleiben wir länger jung, wenn wir hungern?
JOHANNES HUBER: Weil Hunger jene mehrfunktionalen Enzyme aktiviert, die in der Medizin seit kurzem als „Wundermittel“ gelten. Tatsächlich reparieren diese sogenannten Sirtuine unsere Zellen, können damit das Leben verlängern und sogar DNA-Schäden beheben. Sie erfüllen wichtige Wartungsaufgaben.

Lust aufs LEBEN: Welche Rolle spielt der Autophagie-Prozess beim Jung- und Schlankbleiben?
JOHANNES HUBER: Unter Autophagie versteht man eine Art Selbstverdauungsprogramm, das die Zellen reinigt und entgiftet. Der Auto- phagie-Prozess wird durch Hunger aus- gelöst – sobald ich 14 Stunden lang keine Kalorien zu mir nehme. Der Prozess baut jene Moleküle ab, die nichts mehr taugen, um daraus Energie oder Bausteine für neue Moleküle herzustellen.

Lust aufs LEBEN: Entscheidend ist also, mindestens 14 Stunden lang nichts zu essen. Warum aber ist es dennoch nicht genug, einfach auf das Frühstück zu verzichten, wie Sie in Ihrem aktuellen Ratgeber schreiben?
JOHANNES HUBER: Abends zu essen und dafür das Frühstück auszulassen funktioniert nicht, weil so die Zellreinigungs- und Regenerationsprozesse nicht in Gang kommen. Der menschliche Organismus ist biochemisch in den Tag-Nacht-Rhythmus eingebunden. Studien in Frankreich und Spanien, zwei Nationen, die traditionell üppig zu Abend essen, haben ergeben, dass dort die Krebsrate insbesondere bei Brust- und Prostatakrebs höher ist.

Lust aufs LEBEN: Sie schreiben, dass der gesunde Autophagie-Prozess bereits in der Schwangerschaft zu beobachten ist. Wie kann man sich das vorstellen?
JOHANNES HUBER: Wenn Schwangere sich übergeben, hat das den Sinn, dass das Embryo hungern will. Der Hunger stimuliert das Immun- system, und das ist nicht nur im Hin- blick auf die Abwehr von Bakterien und Viren wichtig. Später bewirkt der gleiche Mechanismus, dass wir uns vor dem Altern schützen können.

Lust aufs LEBEN: Soll man zu Appetithemmern greifen, um das Hungern zu unterstützen?
JOHANNES HUBER: Ich empfehle keine Medikamente. Es gibt auch natürliche Appetithemmer, wie etwa das noch unbekannte Lutoin, das unter anderem im Ginster, in der Petersilie, in Artischockenblättern, Karotten, Sellerie, Kamille, Pfefferminze oder in Gewürzen wie Thymian, Rosmarin und Oregano vorkommt und dem Hunger entgegenwirkt.

Lust aufs LEBEN: Wird das „Jungbrunnen“-Enzym Sirtuin ausschließlich vom Körper selbst produziert?
JOHANNES HUBER: Nein. Der Biologe David Sinclair stellte medizinische Forschungen an und entdeckte, dass sich der Mensch dieses Anti-Aging-Enzym auch von außen zuführen kann. Etwa durch den Naturstoff Resveratrol, der besonders konzentriert in Rotwein (Pinot Noir und St. Laurent) vorkommt. Resveratrol wird vom Körper in ein Sirtuin-Enzym umgewandelt.

Lust aufs LEBEN: Das heißt, das gute Glaserl Rotwein am Abend hält jung?
JOHANNES HUBER: Ja, doch auch hier bitte nicht übertreiben: Die Menge macht wie immer das Gift!

Lust aufs LEBEN: Ein gutes Immunsystem schützt vor dem Altern. In diesem Zusammenhang zitieren Sie in Ihrem Buch den Begriff „Senolyse“. Was genau ist das?
JOHANNES HUBER: Senolyse ist die Auflösung des Alterns. Eine in „Nature Medicine“ veröffentlichte Studie zeigt, dass eine Kombination aus Dasatinib, einem derzeit noch sehr teuren Stoff, der die Entwicklung bestimmter Enzyme hemmt, und Quercetin, einer Natursubstanz aus der Eiche, die sogenannte Senolyse, die Auflösung des Alterns, auslösen kann. Das ist die Zukunft des Anti-Aging.

Lust aufs LEBEN: Haben Sie als Gynäkologe spezielle Tipps für Frauen, um schlank zu bleiben?
JOHANNES HUBER: Der weibliche Körper verlangt in der ersten Phase des Menstruationszyklus nach Kohlenhydraten und kann sie gut verwerten. In der zweiten Phase braucht er Proteine. Kohlenhydrate führen dann zu starker Gewichtszunahme.

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