Schwimmen macht Spaß!

Beim Schwimmen entscheidet die richtige Technik über den Erfolg.

Beim Schwimmen entscheidet die richtige Technik über den Erfolg.

Zumindest, wenn es richtig durchgeführt wird. Damit das klappt, gibt Profi Martin Keiml vier wertvolle Tipps.

Du stehst an der Kante. Vorfreude auf das, was kommt, gleichzeitig ein bisschen Gänsehaut. Dann springst du einfach. Du tauchst ein, fühlst auf deiner Haut, wie du mühelos gleitest. Ein paar Züge und du merkst, wie du weiter beschleunigst. Du hast die volle Kontrolle über deine Bewegung und deine Atmung. Schwimmen macht einfach Spaß!

Um zu diesem Punkt zu kommen, braucht es aber die richtige Technik und Übung. So wie überall im Leben fängt der Spaß erst an, nachdem man sich die Grundtechnik angeeignet hat. Egal ob man ein Musikinstrument, Kochen oder Tanzen lernt. Aller Anfang ist schwer. Gerade beim Schwimmen hören viele aber mitten im Lernprozess auf, wenn sie sich nur halbwegs über
Wasser halten können. Die lebensrettende Funktion ist damit (zumindest für sich selbst) erfüllt und zum Baden gehen oder für die Therme reicht es. Schwimmen kann aber noch so viel mehr sein. Schwimmen ist eine Kraft- Ausdauersportart. Kein reines Krafttraining mit Hanteln, kein reines Ausdauertraining am Laufband. Sondern die Kombination aus beiden in einer Einheit. Gleichzeitig wird dank der komplexen Bewegungen auch die Beweglichkeit verbessert. Und oft wird Schwimmen auch als gelenksschonenden Sportart empfohlen, bei der die Wirbelsäule entlastet wird. Gerade das ist aber nur bei korrekter Schwimmtechnik der Fall.
Eine falsche Schwimmtechnik, bei welcher der Kopf ober Wasser gehalten wird, kann zu Wirbelsäulenproblemen führen. Und der Brustbeinbeinschlag führt auch bei richtiger Ausführung früher oder später zu Knieproblemen und freut den Orthopäden. Entspannt und mühelos durch das Wasser zu gleiten, stellt sich nur mit der richtigen Technik ein.

Die eine, einzige und richtige Schwimmtechnik per se gibt es aber nicht. Einen Eliteschwimmer zu kopieren kann nicht erfolgreich sein. Neben der ungleich längeren Trainingserfahrung und den optimierten Training und Rahmenbedingungen gibt es ein viel wichtigeres Argument: den eigenen Körper. Aus dem Spiegel lacht uns wohl nur selten ein durchtrainierter, hochgewachsener Modelathlet mit langen Armen, riesigen Händen und großen Füßen entgegen. Genau für diesen Typ ist die Eliteschwimmtechnik aber ausgelegt.


Somit geht es primär darum, die Schwimmtechnik an die Person anzupassen und daraus einen individuell passenden Schwimmstil zu entwickeln. Als Trainer ist es also nicht die Aufgabe, Schwimmtechnik sondern Menschen zu unterrichten. Die Person sehen, deren Grenzen und Vorzüge erkennen und die Technik so zu optimieren, dass Schwimmen für den Schwimmschüler
zu einer freudvollen Erfahrung wird. Am Anfang ist dies manchmal ein harter Weg, aber mit Begeisterung, Übung und Erfahrung kommen sehr rasch die ersten Erfolge. Und der Rest passiert dann einfach von selbst. Volle Kontrolle im Wasser, mühelose Bewegung und das Wissen: Jetzt geht der Spaß erst richtig los!

Ein paar Tipps zu häufigen Schwimmfehlern hab ich auch noch:

1) Der Kopf gehört ins Wasser!
Egal, ob Sie im Bruststil, Rückenstil oder Freistil schwimmen, muss der Kopf im Wasser sein. Der Kopf sollte dabei in der natürlichen Position, d.h. in Verlängerung der Wirbelsäule sein.
Wenn Sie in Bauchlage schwimmen, sollten Sie also in Richtung Beckenboden schauen, beim Rückenschwimmen auf die Decke (oder den Himmel) genau über Ihnen. Das entspannt die Nacken- und Rückenmuskulatur und verbessert enorm die Wasserlage.

2) Richtig Ein- und Ausatmen
Ein häufiger Fehler ist es, dass die Schwimmer die Luft anhalten, sobald der Kopf im Wasser ist. Es gibt beim Schwimmen aber kein Luft anhalten, genau so wenig wie beim Laufen oder Rad fahren. Ist der Kopf im Wasser, wird Luft durch Mund und Nase ausgeatmet. Wer unter Wasser ausatmet, dem kann kein Wasser in Mund und Nase kommen. Kommt der Mund aus dem Wasser, wird wieder eingeatmet.

3) Finden Sie Ihren Atemrhythmus!
Beim Sport "an Land" passt sich die Atmung ganz natürlich an die Belastung an, ohne dass wir darüber nachdenken müssen. Wir können jederzeit ein- oder ausatmen. Auch beim Schwimmen
passt sich die Atmung an die Belastung an. Allerdings müssen wir hier den Rhythmus finden, über Wasser einzuatmen und unter Wasser auszuatmen.
Gerade zu Beginn erfordert es etwas Übung herauszufinden, wie stark man beim Schwimmen nun ein- und ausatmen soll. Wenn Sie eine Pause brauchen, weil Sie den Rhythmus nicht mehr halten können, achten Sie darauf, wo das Problem liegt: haben Sie einen Druck auf der Lunge und bekommen Sie keine Luft mehr hinein? Dann atmen Sie wahrscheinlich zu wenig aus. Lassen Sie den Kopf länger im Wasser und nutzen Sie die Gleitphase länger aus. Haben Sie umgekehrt das Gefühl, die Lunge wäre komplett leer? Dann atmen Sie vermutlich zu stark aus und haben dann zu wenig Zeit zum Einatmen. Versuchen Sie vor allem die Ausatmungsphase anzupassen und Sie werden sehen, dass Sie plötzlich viel entspannter schwimmen können.

4) Die passende Schwimmbrille!
Damit Sie keine roten Augen bekommen und gut sehen, ist eine passende Schwimmbrille unerlässlich. Wichtig dabei ist, dass sich die Brillengläser an das Auge ansaugen und zumindest einige Sekunden haften bleiben. Nur dann ist die Brille wirklich dicht. Testen Sie das für jedes Auge, da die Augenhöhlen meist nicht ganz gleich sind. Weiters sollte die Breite des Nasenstegs zu Ihrem Gesicht passen. Dann ist die Brille dicht und muss mit dem Kopfband nur locker festgemacht werden.

Der Experte:

Martin Keiml ist ehemaliger Leistungsschwimmer und selbstständiger Schwimmtrainer. Er hält Kurse und Einzelstunden im Florian-Berndl-Bad in Korneuburg. Er hat als einziger Österreicher im Sommer 2018 den 3-Tage swimsmooth Trainerlehrgang in Mallorca absolviert. Infos und Kurse: www.meintraining.at

Martin Keiml

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