Leben mit Teenagern: Du bekommst, was du verdienst

Leben mit Teenagern: Du bekommst, was du verdienst

Chefredakteurin Kristin Pelzl-Scheruga über einen lehrreichen Abend

Wir haben nach Ewigkeiten die Spatzennest-Eltern wieder getroffen. Das sind Freunde von uns, die so heißen, weil unsere Kinder vor langer Zeit gemeinsam im „Spatzennest“ betreut wurden, als sie noch zu klein für den Kindergarten waren.

Früher haben wir sehr viel mit den Spatzennest-Eltern unternommen, weil Erwachsene wie Kinder auf einer Wellenlänge waren und wir richtig viel Spaß zusammen hatten. Auch auf Urlauben waren wir gemeinsam.

Jetzt sind unsere Kinder Teenager, gehen in unterschiedliche Schulen, haben andere Freunde und andere Vorlieben. Also verabreden sich nur wir Eltern in einem Wiener Vorstadt-Lokal.

Aus Rücksicht auf die Betroffenen gebe ich unser Tischgespräch anonymisiert wieder:

Mutter A: „Schon heftig jetzt manchmal.“
Mutter B: „Voll.“

Pause

Vater C, neben mir: „Vor allem, dass sie sich so gar nicht mehr bewegen wollen.“
Mutter A: „Ja, chancenlos.“
Mutter D schweigt.

Mutter B: „Dabei würde es ihnen so gut tun!“
Vater E, optimistisch: „Das wird schon wieder. Bitte erinnere dich, wie wir in dem Alter waren!“
A, B, C und D gleichzeitig: „Nicht so!!!“

Pause

Mutter A: „In der Früh kriegst du sie nicht aus dem Bett, aber bis Mitternacht sind sie am Handy.“
Mutter B: „Ständig auf Tik-Tok und Insta…“

Alle nicken, bis auf Mutter D.

Mutter D (hat einen Sohn): „Bei uns ist das anders, aber auch nicht normal. Z steht jeden Tag um 4.30 auf, macht vor der Schule schon sein erstes Workout und verlangt zum Frühstück Birchermüsli mit Proteinpulver von mir.“

Vater C, neben mir, leuchtende Augen: „Aber das ist doch großartig!“
Mutter D: „Nein! Er interessiert sich für nichts anderes außer für Sport!“
Vater C, flüstert: „Warum hat Gott die Kinder falsch verteilt?“

Wir hatten noch einen sehr feinen Abend und nahmen drei Erkenntnisse mit nach Hause:

1. You can’t always get what you want. Aber du bekommst, was du verdienst.
2. Geteiltes Leid ist halbes Leid.
3. Wenn unsere Spatzen das Nest verlassen, dann haben wir immer noch uns.

Kristin Pelzl-Scheruga ist Chefredakteurin von Lust aufs LEBEN