„Wer für etwas brennt, erkältet sich nicht“

Dr. Rüdiger Dahlke

Dr. Rüdiger Dahlke

Arzt & Psychotherapeut Ruediger Dahlke über „seelische“ Impfungen gegen Infekte.

Jedes Jahr rollt eine Grippewelle auf uns zu. Aber warum erwischt es manche und andere nicht?

Die Schulmedizin stellt derartige Fragen gar nicht und wird folglich auch keine Antworten darauf finden können. Man verlässt sich auf die Grippeimpfung. Erkranken werden letztlich aber alle, die die Nase voll haben. Der beste Effekt der propagierten Impfkampagnen liegt noch im Glauben der Leute, dass sie dadurch geschützt seien. Wir haben hier eine Art Placebowirkung, die generell in der Medizin unterschätzt wird. Sie kann uns natürlich nur recht sein.

Werden Erkältungen durch Kälte ausgelöst?

Wäre es äußere Kälte, die uns krank macht, müssten Skifahrer im Jänner immerzu erkältet sein. Wäre es der häufig beschuldigte Zug, wären Windsurfer und Segler ständig Opfer von Erkältungen. Tatsächlich sind sie aber – jedenfalls solange ihnen ihr Sport Spaß macht – geradezu zauberhaft geschützt. Verliebte erkälten sich kaum, solange sie „heiß“ aufeinander sind. Kälte und Zug werden erst gefährlich, wenn eine entsprechende innere Situation hinzukommt. Fühlt man sich in der Kälte allein oder im Zug stehen gelassen, kann das sehr wohl in eine Erkältung münden.

Einsamkeit macht also krank?

Der springende Punkt liegt in der inneren Einstellung zum Leben. Solange jemand auf jeden neuen Tag brennt und Feuer und Flamme für die Themen seines Lebens ist, kann ihm kein Erkältungsvirus etwas anhaben. Wenn ihn aber sein Leben kaltlässt, wird den Erregern Tür und Tor geöffnet. Wer sich seine seelische Situation nicht eingesteht, zwingt unbewusst seinen Körper dazu, einzuspringen. Auf dieser Körperbühne kann man dann ablesen, was los ist: Man hat die Nase voll oder kann nichts mehr schlucken, weil der Hals schmerzt. Man will sich nur mehr verkriechen.

Im Husten oder Niesen sehen Sie aber einen aggressiven Akt ...

Das Einzige, was aus dieser Situation von Rückzug und Verbarrikadierung noch nach draußen dringt, sind aggressive Äußerungen wie lautes Husten und Niesen. „Jemandem etwas husten“ heißt nichts anderes, als seine Aggression auszudrücken. Mancher Grippepatient fühlt sich „zerschlagen“ wie nach einer Schlägerei. Hinter Entzündungen stehen unbewusste Konflikte. Die werden aber nicht bewusst ausgekämpft, weil zu wenig Konfliktbereitschaft vorhanden ist.

Was kann ich tun, um mich vor Infekten zu schützen?

Die sicherste Methode im Kampf mit der Kälte des Lebens ist das innere Feuer der Begeisterung. Kaum wird man in eine heiße ­Diskussion verwickelt oder in
ein begeisterndes Konzert geschleppt, lässt die schlimmste Erkältung schlagartig nach. Man wechselt die Bewusstseinsebene von „Nase voll“ auf „Feuer und Flamme“, und schon passt sich der Körper der neuen Situation an: Die Atemwege öffnen sich, weil man neuerlich in Kommunikation mit der Welt tritt und sich begeistern lässt. Sinnvoll wäre es zudem, die drohende Grippe als Hinweis auf ein seelisches Verschnupftsein zu deuten und sich dort dem Konflikt zu stellen, wo er ansteht etwa in der Firma oder in der Partnerschaft. Wenn ich mir dort Luft und Raum verschaffe und ehrlich zu meinen Bedürfnissen stehe, ist die Chance, echte Vorbeugung zu betreiben, groß.

Ich rate daher: Stellen Sie sich anstehenden Herausforderungen bereitwillig und fiebern Sie Lösungen geradezu entgegen – dann ersparen Sie Ihrem Immunsystem entsprechende Kämpfe auf Körperebene. Es spricht alles dafür, dass eine mutige und offene Lebenseinstellung das Abwehrsystem in verblüffender Weise stärkt. Gesundheit kann genauso ­ansteckend sein wie Krankheit und ist vielmehr eine Sache der inneren Einstellung als der äußeren Umstände.

Der Experte:

Dr. Ruediger Dahlke ist Arzt, Psychotherapeut, Erfolgsautor und Seminarleiter. Infos: www.dahlke.at