Wie Sie als Single im Lockdown stärker werden können

Wie Sie als Single im Lockdown stärker werden können

Beziehungs- und Dating-Coach Dominik Borde erzählt, wie viele Singles die momentane Situation erleben und was sie jetzt tun können, um über sich selbst hinauszuwachsen.

Lust aufs LEBEN: Die Corona-Situation scheint sich, nach 2 Jahren, jetzt deutlich zuzuspitzen. Wie geht es Singles jetzt?
Dominik Borde: Nicht nur Singles, sondern die meisten Menschen erleben die aktuelle Situation als sehr belastend. Singles haben oft das Gefühl, dass es in Beziehungen und Familien um so viel besser ist und dass nur sie alleine sind und alleine schlafen gehen müssen. Dabei hängt das Gefühl von Einsamkeit nicht vom Beziehungsstatus ab. Auch in Partnerschaften und Familien kommt es jetzt viel häufiger als früher zu Streit. Diese Konflikte werden am stärksten ausgetragen, wenn die Angst groß ist: Dann produziert der Körper das Stresshormon Cortisol, das uns in den Modus Kampf, Flucht oder Starre bringt und dazu führt, dass wir 80 Prozent unserer Kommunikationsfähigkeit verlieren. Für Singles ist es jetzt oft schwer, keinen Rückhalt durch eine Familie oder einen Partner zu haben – weil sie seit langem alleine in ihren Wohnungen sind und womöglich gar kein Gegenüber haben. Dazu kommen die unterschiedlichsten Ängste, zu denen es verschiedene Meinungen gibt. Die einen haben Angst vor dem Virus, die anderen vor der Impfung. Die Spaltung der Gesellschaft in diesen Fragen lässt uns auch das Klima im Außen als rau erleben.

Lust aufs LEBEN: Was kann jetzt helfen?
Dominik Borde: Gerade in dieser Situation kann das Sich-aufeinander-beziehen und einander Verständnis entgegen zu bringen sehr heilsam sein. Doch Stress und Anspannung führen dazu, dass wir nicht mehr klar denken können. Darum ist es nun wichtig, die Liebe zu stärken und nicht die Angst.

Beziehungs- & Dating-Coach Dominik Borde

Was raten Sie Klient*innen?
Dominik Borde: Die Frage ist: Was führe ich mir und meinem Körper zu? Und: Was tut Körper, Geist und Seele gut? Wie kann ich auf mich achten, damit ich mich psychisch über Wasser halte und es mir trotz allem gut geht? Der emotionale Zustand ist wichtiger als eine Strategie. Wir müssen uns also zuerst um unser momentanes Wohlergehen kümmern. Das gelingt, indem wir Routinen etablieren: Beispielsweise morgens ein Dankbarkeitstagebuch schreiben und den Tag mit einem 30-Minuten-Workout beginnen. Dann in die Dusche und genussvoll frühstücken, dann fängt der Tag schon gut an. Wer sich hingegen stundenlang mit negativen Gedanken quält und die Zeit mit TV-Sendungen verbringt, die ständig Katastrophenszenarien malen, dem wird es ganz anders gehen. Routinen bringen eben positive Energie – genau so wie ausreichend Schlaf, gesundes Essen und gute Gespräche. Mit Freunden kann man sich auch im Zoom-Meeting treffen, um gemeinsam Kaffee zu trinken oder Spiele zu spielen.

Viele Singles wünschen sich jetzt auch einen Partner, sehen sich aber durch die Kontaktbeschränkungen limitiert.
Dominik Borde: Dating-Apps können hier eine Möglichkeit von vielen sein, um Menschen kennen zu lernen – auch in der Pandemie. Ich rate aber davon ab, aktiv nach einem Partner zu suchen, denn glückliche Beziehungen entstehen nicht durch Mangel. Man kann auf Tinder schauen, ob man neue Leute zum Kommunizieren trifft. Wenn sich etwas daraus ergibt – schön. Aber es sollte nicht der Weg sein, einen Partner aktiv zu suchen. Viel mehr rate ich dazu, die Kontaktfreudigkeit zu trainieren, die Komfortzone zu verlassen und auch im täglichen Leben einfach wieder einmal Menschen anzusprechen. Im Supermarkt können wir auch mit der Maske lächeln und wer sich in der U-Bahn neben einen attraktiven Menschen setzt, kann doch einfach einmal "Hallo" sagen und ein Kompliment dazu machen.

Lust aufs LEBEN: Wie lässt sich die Zeit zuhause noch für das eigene Wachstum nutzen?
Dominik Borde: In Zeiten wie diesen zeigen sich alle Themen, die vor der Pandemie schon latent da waren, in voller Größe. Das bedeutet, dass wir sie ansehen und bearbeiten dürfen und können. Wer zum Beispiel vorher schon ein Thema mit Alleinsein und Verlassenheit hatte, der wird es jetzt in vollem Ausmaß spüren. Darum ist es jetzt die perfekte Gelegenheit, all diese Themen zu heilen und die Selbstliebe zu lernen. Denn es wird eine Zeit nach Corona geben und wer dann an sich gearbeitet hat, kann als neuer Mensch aus dieser Krise hervorgehen. Auch für eine neue Partnerschaft: Denn es kommt nicht automatisch der Partner in unser Leben, den wir wollen, sondern der, den wir anziehen. Wir dürfen also zuerst selbst zu dem Partner werden, den wir uns wünschen.

Lust aufs LEBEN: Zeit also, sich den tief liegenden Ängsten zu stellen ...
Dominik Borde: Ja, denn die Angst ist unser roter Teppich zum Mut! Dabei gilt es immer, die Komfortzone zu verlassen und den Hintern hoch zu kriegen. Wenn es sich nicht gut anfühlt, den ersten Schritt zu machen, dann mach den ersten Schritt! Wenn du Angst vor dem Alleinsein hast, dann sei alleine. Ich sage immer: Hör auf, der zu sein, der du schon immer warst und ändere deine Energie oder: "If you can't change reality, you must change your personality"!


Weitere Informationen und Kontakt unterhttps://www.sozialdynamik.at/