"Angst mit Empathie begegnen"

"Angst mit Empathie begegnen"

Business-Coach Carola Payer inspiriert zu mehr Mut und (Selbst-)Mitgefühl in unsicheren Zeiten.

Menschen leiden zunehmend unter den Auswirkungen der Covid-19-Krise, wie die Praxis und neue Studien zeigen. Business-Coach Carola Payer von der Unternehmensberatung Payer & Partner in Graz macht nun Mut, alte Muster zu durchbrechen, um handlungsstark und mutig zu bleiben. Folgende Strategien helfen, mit sich selbst besser umzugehen und das bedrohliche Gefühl der Angst zu verwandeln:

1. Von der Ohnmacht in die Kraft

Carola Payer

Angst und Liebe sind zwei konträre Gefühle, die uns sehr stark steuern. Angst ist seit Corona weltweit sehr präsent. Im Gegensatz zu Liebe fühlt sich Angst beklemmend an, da sie oft eine lähmende Wirkung hat. Nicht umsonst spricht man in der Neurobiologie auch vom „Freeze-Reflex“, wenn wir vor Angst sprichwörtlich erstarren. „Wir fühlen uns dann ohnmächtig, nehmen eine Vermeidungshaltung ein und werden dadurch handlungsunfähig“, sagt Carola Payer, „Beides verstärkt die Angst und Starre noch mehr.“

Doch Angst hat auch eine andere Seite: „Sie hilft, wirklich notwendige Regeln einzuhalten und Prioritäten zu setzen – zum Beispiel fahren wir selbstverständlich auf der Autobahn auf der richtigen Seite und fahren nicht einfach in der Gegenrichtung auf“, sagt Carola Payer, „Generell können wir immer wieder in Phasen, wo Ängste auftauchen, mit unserer Angst sprechen und sie zur Verbündeten machen, als wäre sie eine Person. In der Stille können wir sie fragen, was sie uns sagen will.“ Dann können wir Strategien planen, indem wir uns überlegen, wie hoch unsere Fixkosten sind und wo wir sparen können, welche Jobalternativen oder Geschäftsmodelle uns offen stehen etc.

2. Die Energie nach innen und auf sich selbst richten

Um wieder handlungsfähig zu werden, hilft es auch, uns von der Angst weg die Aufmerksamkeit nach innen zu richten. Zum Beispiel, indem wir unsere eigenen Gefühle und Bedürfnisse wahrnehmen und Mitgefühl mit anderen und uns selbst haben. Mit Empathie können wir uns in der Kraft unseres Herzens zentrieren. „So können wir auf die wirklich wesentlichen Dinge blicken und uns zum Beispiel Fragen stellen wie: ‚Was ist mir mein Leben noch wert?‘ oder ‚Was möchte ich heute noch erlebt haben? ‘“, sagt die Beraterin.

3. Ist es meine eigene Angst?

In diesem Zustand des Selbstmitgefühls können wir uns zum Beispiel ehrlich fragen: Wovor habe ich wirklich Angst? Und: Ist diese Angst auch wirklich meine eigene? „Das Empfinden von Angst ist teilweise genetisch bedingt und teilweise gelernt“, sagt Payer, „Derzeit wird uns in den Medien und von vielen anderen Seiten Angst gemacht, wir lernen jetzt also sehr viel Angst, übernehmen die Angst von anderen – und das setzt sich dann fort.“ Bleiben Sie also durchaus kritisch, wenn Sie Angstgefühle spüren.

4. Selbstliebe und Selbstmitgefühl

Wenn wir aber Mitgefühl für uns selbst praktizieren und unsere Gefühle in uns wahrnehmen, können wir von uns selbst sehr viel lernen und sagen: „Ich fühle mich in dieser Situation …“ und „Interessant, dass ich das jetzt über mich erfahren habe“, sagt Carola Payer.

5. Was ist das Schlimmste, das passieren kann?

Emotionale Stabilität können wir in Krisen wie den jetzigen auch aufbauen, in wir uns mit dem Worst Case Szenario befassen: Was ist das Schlimmste, das mir in dieser Situation passieren kann? „Meistens stellen wir fest, dass es immer irgendwie weiter geht, ganz gleich, was passiert“, so Payer, „Das beruhigt!“

6. Negative Einflüsse fernhalten

Um die Illusion der Angst nicht größer werden zu lassen, ist es erforderlich, nur die notwendigen Informationen zu konsumieren und sich somit selbst nicht in den Wahnsinn zu treiben. Denn wo die Aufmerksamkeit hinfließt, dorthin geht auch unsere Energie.

7. Sich nicht hineinziehen lassen

„Außerdem ist es angebracht, achtsam damit umzugehen, in welche Diskussionen ich mich einklinke und wo ich mich heraushalte“, sagt Payer. Spürbar sei eine zunehmende Intoleranz gegenüber eigenen Standpunkten und Meinungen, was schnell zu zusätzlicher Negativität und Auseinandersetzungen führe. „Hier kann jeder Eigenverantwortung übernehmen und sich überlegen, in wie weit er zu dieser Programmierung der Negativität weiter beitragen will.“

8. Bewusst für Entspannung sorgen

Konstante Anspannung ist der Feind jeder Entscheidungskraft – und Entscheidungskraft ist nun besonders gefragt, um den oft lähmenden Schwingungen der Angst zu begegnen: „Führungskräfte, Unternehmer und Selbstständige wissen seit Wochen oft nicht, was der nächste Tag bringt“, berichtet die Beraterin aus der Praxis, „Neue Maßnahmen aber auch das durch die Quarantäne bedingte Fehlen der Mitarbeiter stellt sie zusätzlich unerwartet und fast täglich vor neue Herausforderungen.“ Dabei ist es besonders wichtig, selbst jeden Tag für Entspannung zu sorgen. „Egal wie dicht der Zeitplan ist, ein Fenster für sich alleine muss jetzt sein.“

9. Wachstum und Lebendigkeit kultivieren

Carola Payer rät auch dazu, aktiv für Lebendigkeit zu sorgen. „Wir können das Virus auch anders betrachten, das Virus ist lebendig und regt uns nun an, selbst ins Nachdenken und Handeln zu kommen.“ So macht Carola Payer Mut zu Empathie und Authentizität auch in der direkten Arbeitsumgebung – jetzt mehr denn je: „Hören Sie Kollegen bzw. Mitarbeitern einfach zu, fragen Sie, wie es geht. Sprechen Sie auch Ihre Bedürfnisse aus, was Sie sich wünschen, seien Sie einfach einmal offen und ehrlich!“ So könne man als Mitarbeiter aussprechen, wenn man nicht täglich ins Büro fahren, sondern lieber mehr Tage im Home Office bleiben will. „Weil ich in der Ruhe und alleine einfach besser arbeiten kann und mir das guttut!“, so Payer.

10. Von anderen lernen

Hilfreich sei nun auch, bewussten Optimismus zu pflegen: „Schauen Sie sich von anderen ab, wie sie das machen, jetzt in guter Energie zu sein, und machen Sie es einfach nach. Auch, wenn wir zu Beginn nur so „tun als ob“, können wir uns dadurch neues Verhalten richtig antrainieren, sodass es sich nach einer Zeit als ganz normal anfühlt. „Schauen Sie ihrer Angst bewusst in die Augen, statt sich von ihr verschlingen zu lassen", sagt Carola Payer.
Und so kann Corona auch ein Lehrmeister sein. Für sich selbst und für das Leben.