Broken Heart Syndrom: Wenn Liebeskummer das Herz bricht

Broken Heart Syndrom: Wenn Liebeskummer das Herz bricht

Liebeskummer kann sich im wahrsten Sinne auf das Herz schlagen – und das wichtige Organ gefährden.

„Du hast mir das Herz gebrochen“, sagt der Volksmund. Und da ist tatsächlich etwas dran: Mediziner sprechen vom Broken-Heart-Syndrom oder der Tako-Tsubo- Kardiomyopathie. Es handelt sich um eine akut auftretende Herzmuskelerkrankung, die nach starkem emotionalen Stress auftritt. Dr. Stephanie Grabhorn, Chefärztin der Privatklinik Blomenburg für mentale und psychische Gesundheit in Deutschland, erklärt, warum Trennungen und Verluste ebenso zu Herzrhythmusstörungen und plötzlichem Herztod führen können, wie ein Infarkt.

Linke Herzkammer betroffen

Die Stress-Kardiomyopathie betrifft in der Regel die Funktion der linken Herzkammer. Diese zeigt eine veränderte, bauchartig erweiterte Form. Dazu ist die Hauptschlagader gleichzeitig deutlich verengt, sodass das Herz Probleme hat, das Blut in den Körper zu pumpen.

Die Betroffenen leiden in der Folge unter einem schweren Engegefühl in der Brust mit Atemnot und starken Herzschmerzen, die bis zu einem sogenannten Vernichtungsschmerz gesteigert sein können. Der Blutdruck kann abfallen und die Herzfrequenz steigt extrem an. Außerdem kommt es zu Übelkeit, Oberbauchbeschwerden und Erbrechen mit Schweißausbrüchen. Aufgrund der schwachen Pumpfunktion der linken Herzkammer treten noch zusätzliche Beschwerden einer Herzschwäche auf. So staut sich zum Beispiel Blut in der Lunge und in den venösen Gefäßen, weil das Herz seine Pumpleistung nicht mehr schafft. So kann es zu Beinödemen und Wasser in der Lunge kommen.

Gefährlicher "Fake-Herzinfarkt"

Obwohl es sich also nicht um einen Herzinfarkt handelt, kann es bei einem Teil der betroffenen trotzdem zu Herzrhythmusstörungen mit plötzlichem Herztod kommen. Ein „Broken-Heart-Syndrom“ kommt öfter bei Frauen als bei Männern vor, besonders nach den Wechseljahren. Das scheint damit zusammenzuhängen, dass Frauen in den Wechseljahren und dem dabei abfallenden Östrogenspiegel anfälliger für die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol sind. Eine starke Ausschüttung dieser Stresshormone kann leichter die Herzmuskelzellen schädigen und die Pumparbeit des Herzens stören.

Stressverarbeitung funktioniert nicht

Forscher haben herausgefunden, dass es vermutlich eine genetische Disposition für das Broken-Heart-Syndrom gibt. Es scheint, dass bestimmte Bereiche des Gehirns, die für die Verarbeitung von Gefühlen wichtig sind, mit anderen Gehirnarealen schlechter kommunizieren als bei Gesunden: Somit funktioniert die Stressverarbeitung und Emotionsregulation nicht optimal.
Außerdem ist inzwischen bekannt, dass die Herzmuskelzellen von Broken-Heart-Betroffenen bis zu sechsmal empfindlicher auf die oben genannten Stresshormone reagieren. Es wird vermutet, dass zwei bis acht Prozent der Frauen, die mit einem Verdacht auf einen Herzinfarkt behandelt werden, eigentlich am „Broken-Heart-Syndrom“ leiden.

Emotionale Belastung schlägt sich auf das Herz

Im Falle eines Broken-Heart-Syndrom gab es bis vor kurzem kein festgelegtes Behandlungskonzept. Grundsätzlich hat das „Broken-Heart-Syndrom“ bei der richtigen Therapie aber eine gute Prognose. Meist heilt das Herz dann nach wenigen Wochen wieder ohne bleibende Schäden.

Emotionaler Stress, der das Herz angreift, kann unterschiedliche Ursachen haben wie zum Beispiel einen Trauerfall, eine Trennung oder ein schockierendes Erlebnis. Eine Studie im Journal of Epidemiology and Community Health zeigt, dass Menschen nach dem Tod nahestehender Personen oft selbst versterben.
Bei Eltern zum Beispiel, die ein Kind (zwischen 10 und 17 Jahren) verlieren, ist das Sterberisiko im folgenden Jahr um 31 Prozent erhöht. Einen Ehepartner, ein Geschwisterchen oder ein Kind zu verlieren wurde bereits in mehreren Langzeit-Studien mit einer höheren Todesrate in Verbindung gesetzt. Damit ist das Broken-Heart-Syndrom mehr alle ein kitschiger Begriff für Liebeskummer – es ist tatsächlich eine schwerwiegende Herzerkrankung.