Wie gehen wir mit dem Hausarrest um?

Wie gehen wir mit dem Hausarrest um?

Die Psychotherapeutin Dr. Karin Neumann aus Perchtoldsdorf verrät nützliche Strategien.

Lust aufs LEBEN: Was können Sie Menschen empfehlen, wenn sie jetzt mit Kindern fast ausschließlich zuhause sind?
Dr. Neumann: Wichtig ist, einen ruhigen und klaren Kopf zu bewahren. Erklären Sie Ihren Kindern, dass es sich bei diesem unfreiwilligen „Hausarrest“ nicht nur um schlichte Schulferien handelt, sondern um eine Maßnahme, um Menschen zu schützen, damit sich der Coronavirus nicht schnell verbreitet. Das Leben geht weiter, nur eben in einer anderen Form, bis wieder der Alltag einkehren kann.

Lust aufs LEBEN: Es ist alles eine Frage der Einstellung: Wie können wir den bevorstehende Wochen Positives abgewinnen?
Dr.Neumann: Sinnvoll ist es, einen Plan zu erstellen und die nächsten Tage bzw. Wochen zu strukturieren:
- Planen Sie fixe Essenszeiten ein, genauso wie Lern- und Spielzeiten.
- Versuchen Sie, dem ganzen Schlimmen vielleicht auch ein bisschen Gutes abzugewinnen, indem Sie sich bewusstmachen, dass Sie nun „Zeit geschenkt“ bekommen, um mit Ihren Kindern Dinge zu tun, für die in der üblichen Alltagshektik sowieso keine Möglichkeit gewesen wäre.
- Haben Sie z.B. schon einmal zusammen gekocht oder gebacken?
- Wann hatten Sie das letzte Mal Zeit, um Ihren Kindern regelmäßig etwas vorzulesen oder mit ihnen zu basteln bzw. Spiele zu machen, die auch mehrere Stunden dauern können?
- Vielleicht kuscheln Sie sich zusammen und sehen täglich gemeinsam eine TV-Serie an.
- Gut ist auch, gemeinsam zu singen. Singen beruhigt unser Nervensystem!
Wichtig: Freude und Liebe sind die beste Medizin in diesen instabilen Zeiten!

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Lust aufs LEBEN: Wie sollen wir mit Informationen und Ängsten von Kindern und Jugendlichen am besten umgehen?
Dr. Neumann: Wichtig ist, Kindern und Jugendlichen die derzeitige Lage altersgerecht zu erklären. Dinge möglichst „geheim“ zu halten, um den Nachwuchs vor Ängsten und Sorgen zu schützen, ist die falsche Vorgehensweise. Kinder können mit der Wahrheit oft besser umgehen als Erwachsene – abgesehen davon haben sie sehr feine Antennen und spüren sowieso, wenn etwas nicht in Ordnung ist bzw. geheim gehalten wird.

Nehmen Sie die Ängste Ihrer Kinder ernst und gehen Sie darauf ein. Sprechen Sie mit ihnen darüber, was sie genau belastet – und erfahren Sie im Anschluss, was Sie sie dabei unterstützen können, dass diese bald leichter werden.

Bleiben Sie als Elternteil ruhig und vermitteln Sie Ihrem Kind oder Jugendlichen, dass es derzeit wichtig ist, bestimmte Schutzmaßnahmen zu ergreifen, damit nicht noch mehr Menschen mit dem Coronavirus infiziert werden. Kinder und Jugendliche sind davon sowieso nur selten betroffen und wenn, dann ist bei dieser Altersgruppe der Krankheitsverlauf bisher meist relativ mild verlaufen.

Telefonate bzw. Videochats mit den Großeltern sind wichtig, damit die Kinder und Jugendlichen mit Oma und Opa regelmäßigen Kontakt halten können, um beruhigt zu sein, dass es ihnen gut geht!

Lust aufs LEBEN: Welche Strategien raten Sie für einen klaren Kopf speziell in dieser Krise, um einen Lagerkoller zu vermeiden?
Dr. Neumann: Bewegung hilft immer, um Stress abzubauen. Öffentliche Spielplätze sind zurzeit natürlich tabu. Aktivitäten wie Spielen oder Radfahren im Garten – eventuell auch Joggen in der freien Natur – sind jedoch möglich. Bei einer kompletten Ausgangssperre, wie derzeit z.B. in Italien, empfehlen sich ein Zimmertrampolin, Stepper für zu Hause, ein Zimmerfahrrad oder eine Springschnur, um „aufgestaute“ Energien freiwerden zu lassen.