Oh du Fröhliche! Unser Weihnachts-Wahnsinn

Kristin Pelzl-Scheruga ist Chefredakteurin von Lust aufs LEBEN.

Kristin Pelzl-Scheruga ist Chefredakteurin von Lust aufs LEBEN.

Der Heilige Abend verläuft immer anders als geplant.

Das Haus ist blitzblank geputzt, stilvoll dekoriert und wir stapfen durch den Schnee in die Kindermette. Wieder daheim der Höhepunkt des Heiligen Abends: Vater, Mutter und Kind singen „Stille Nacht“ unterm Christbaum und haben vor Rührung Tränen in den Augen ob der liebevoll ausgesuchten Geschenke. Es duftet nach Weihrauch. Besinnlich lassen wir den Abend bei einem Festmahl ausklingen...

So weit die Erwartungen.

Die Realität weicht maximal einen Hauch davon ab.

Man muss sich ein bisschen ärgern, weil das Kind überall seine Sachen herum liegen lässt. Und weil man selbst wieder einmal mit allem in Verzug ist: Wo ist das Geschenkpapier? Warum wird die Majonäse nicht fest? Warum pisst der Kater ausgerechnet jetzt... oh nein, nicht unter den Christbaum! Und es schneit auch nie am Heiligen Abend. Eher am Ostersonntag.

Das mit dem Singen unterm Baum stimmt. Aber wie ging nochmal der Text? Nach der ersten Strophe passen wir und stürzen uns auf die Geschenke. Der heikelste Akt des Abends. Man muss so tun als ob. Tun wir aber nicht, was unseren Weihnachtsfrieden mitunter beträchtlich gefährdet.

Gutes Essen könnte die Stimmung retten. Klappt aber leider auch nicht immer. Ich erinnere mich an verbrannte Enten und rohes Beef Wellington. Sicherheitshalber gibt es daher Fondue. Da ist jeder sein eigener Koch.

Lange essen wir ohnedies nicht. Die Tochter will endlich mit Papas Hilfe ihre Playmobil-Welten errichten (früher) oder das neue Handy installieren (jetzt). Wir suchen winzige Teilchen, die sich im Geschenke-Papiermüll verloren haben. Hoffentlich hat sie nicht der Kater verschluckt. Trotzdem: genau so mag ich’s. Alle Jahre wieder...

Kristin Pelzl-Scheruga ist Chefredakteurin von Lust aufs LEBEN.