Wie uns unsere Sinne glücklich machen

Wie uns unsere Sinne glücklich machen

Zwei Experten geben Tipps, wie wir mehr Sinnlichkeit in den Alltag bringen und damit noch glücklicher werden.

Unsere Sinne eröffnen uns ungeahnte Möglichkeiten. Doch wir sind uns ihrer meist nicht bewusst, benutzen sie kaum noch richtig und verpassen dadurch vieles in unserem Leben. Die Ärzte und Bestsellerautoren Ragnhild und Jan Schweitzer plädieren in ihrem Buch "Die Magie unserer Sinne" (Goldmann Verlag) für mehr Sinnlichkeit im Alltag. Denn wer die Sinne auch nur ein wenig pflegt, wird mit faszinierenden und glücklichen Momenten belohnt und hat ein reicheres Leben – zum Beispiel wie folgt:

1. Riechen: Immer der Nase nach

Ein Geruchsspaziergang führt über die Nase direkt ins Herz. Er ist nämlich nicht nur im Wald oder in der Stadt möglich, sondern auch in den eigenen vier Wänden, der Ferienwohnung oder im Elternhaus. Gehen Sie durch die Räume und nehmen Sie wahr, welche Gerüche Sie wahrnehmen. Woran erinnern Sie diese Gerüche? Welche Gefühle lösen sie in Ihnen aus? Nehmen Sie Gerüche und Düfte im Alltag bewusst wahr und erfreuen Sie sich daran.

Ragnhild und Jan Schweitzer

2. Schmecken: Die Würze des Lebens

Der wichtigste Teil des Geschmacks ist ein paar Zentimeter oberhalb des Mundes angesiedelt: das Gehirn. Dort erst wird aus vielen einzelnen Geschmackssignalen ein Gesamteindruck kreiert. Und dort wird auch aus reinem Geschmack erst das, was einem schmeckt – oder auch nicht. "Das Gehirn ordnet nämlich den Eindruck emotional ein, es nimmt eine sogenannte hedonische Bewertung vor", so Ragnhild Schweitzer, "Man könnte auch sagen: Es sorgt für eine bleibende Erinnerung."
Oft stopfen wir Essen achtlos in uns hinein, holen uns auf dem Weg zur Arbeit oder in der Mittagspause schnell was auf die Hand, essen am Computer oder abends vor dem Fernseher. Man könnte fast meinen, Essen würde bei uns nur einen Zweck erfüllen: am Leben zu bleiben. Experimentieren Sie mit Geschmacksvariationen etwa durch frische Kräuter und neue Aroma-Kombinationen. "Vanillearoma verstärkt zum Beispiel die Intensität von süß, Sardellenaroma von salzig und Zitronenaroma von sauer. Wissenschaftler sprechen dabei von einer gelernten Synästhesie, also einer Verknüpfung zwischen Geruchs- und Geschmackssinn, die wir vor allem durch kulturelle und persönliche Erfahrungen gelernt haben", so Ragnhild Schweitzer.

3. Hören: Ganz Ohr sein

Obwohl wir unserem Gehör nur selten Aufmerksamkeit schenken, lauschen wir doch unaufhörlich auf den äußeren und inneren Klang unseres Lebens. Denn verschließen können wir es nicht, zumindest nicht willentlich. Selbst wenn wir uns die Ohren zuhalten, hören wir noch unser Herz schlagen oder unseren Atem rauschen. Unser Hörsinn ist immer wachsam, auch wenn wir schlafen.
Beschäftigen Sie sich einfach mit Geräuschen und Musik, seien Sie dabei offen für andere Musikstile hören Sie bewusst. "Entdecken Sie Musik von früher wieder, die Sie lange nicht gehört haben", so Jan Schweitzer, "Denn Musik und Erinnerungen sind eng miteinander verknüpft, und es gibt so manchen Hit unseres Lebens, der irgendwo in uns vergraben ist und nur darauf wartet, noch einmal abgespielt zu werden: Die erste Liebe, Trennungsschmerz, Schulabschluss, Reisen, Hochzeit, Geburt des Kindes, Verlust eines geliebten Menschen – positive wie negative Erlebnisse sind eng mit dem Hören bestimmter Musikstücke verbunden, und die Erinnerung daran lässt sich sehr bildhaft hervorrufen, wenn wir sie erneut abspielen."

4. Sehen: Schau mehr aus den Augen!

Selbst deutlich sichtbare Reize in unserem Blickfeld können wir übersehen, weil wir unsere Aufmerksamkeit auf etwas anderes gerichtet haben. Wissenschaftler nennen das Unaufmerksamkeitsblindheit, und Zauberkünstler nutzen sie, um uns auszutricksen. Ein wahres Erlebnis für die Augen ist auch der Besuch eines Museums, weil wir dort in Ruhe und ganz bewusst etwa Bilder betrachten und auf uns wirken lassen können. Und je häufiger wir Kunstwerke auf uns wirken lassen, desto mehr Feinheiten, Maltechniken und Unterschiede entdecken wir. Hervorragend geeignet, um unseren Sehsinn zu trainieren, ist natürlich die Natur. Dort können wir eine Vielzahl verschiedener Blumen, Bäume, Vögel unterscheiden und vieles mehr.

5. Fühlen: ich fühle, also bin ich

Die Haut schirmt uns vor der Umwelt ab – und ermöglicht gleichzeitig den Kontakt zu ihr. Fast zwei Quadratmeter stehen ihr dafür zur Verfügung und Hunderte Millionen kleiner Fühler. Nähe ist daher die Grundlage menschlicher Beziehungen, sie ist quasi der soziale Klebstoff, auf den wir nicht verzichten können – das gilt für unser ganzes Leben, aber vor allem für die Kindheit.
Experten empfahlen in der Pandemie daher, sich ganz bewusst vom Bildschirm zu lösen und sich vor allem innerhalb der Familie körperliche Nähe zu gönnen, allen voran den Kindern, die sie am nötigsten brauchen. Außerdem rieten sie, in der Zeit eingeschränkter körperlicher Kommunikation möglichst viele Sinne anzuregen. "Zum Beispiel durch eine morgendliche Runde um den Block, um der Natur und anderen Menschen zu begegnen, oder durch mittägliches oder abendliches Kochen, um dem Tastsinn und auch allen anderen Futter zu geben", erläutert Ragnhild Schweitzer, "Beim Gärtnern, Handwerken oder Basteln mit verschiedenen Materialien zu hantieren, konnte ebenfalls die Sinne aus der digitalen und körperlosen Einöde befreien." All das gilt natürlich auch ganz unabhängig von Corona: Schon kleine Dinge bringen Abwechslung für den Tastsinn, zum Beispiel die Seiten einer Werbungsbeilage in Zeitschriften zu befühlen und genau zu inspizieren oder auch das Wasser in der Badewanne auf der Haut zu spüren oder das sanfte Gras beim Sitzen in der Wiese genau zu befühlen.

Buchempfehlung:

"Die Magie unserer Sinne. Warum wir ohne sie nicht lachen, lieben, leben können - Wie wir sie wiederentdecken und richtig nutzen", Ragnhild Schweitzer und Jan Schweitzer, Goldmann Verlag, € 14,00