Wenn Computerspielen bei Kindern zur Sucht wird

Wenn Computerspielen bei Kindern zur Sucht wird

Autorin Ulrike Wolpers beschreibt in ihrem Buch, wie ihr Sohn die Spielsucht überwinden konnte.

Bereits 700.000 deutsche Kinder und Jugendliche zeigen ein riskantes oder bereits abhängiges Spielverhalten. Die Pandemie verstärkte diesen Trend noch: Im Mai 2020 lag die wöchentliche Spieldauer bei Jugendlichen um 75 Prozent höher als im September 2019, die zuletzt veröffentlichen Zahlen zur wöchentlichen Spieldauer sind leicht rückläufig, liegen aber immer noch weit über den Zeiten vor der Pandemie.

Das Zocken gegen die Langeweile kann böse enden. Nie hätte die Wissenschaftsjournalistin und dreifache Mutter Ulrike Wolpers geahnt, welche Auswirkungen der Einstieg in die Welt der Online-Games über das erste eigene Smartphone für ihren Jüngsten haben würde.

Innerhalb weniger Wochen schlitterte ihr Sohn in die Computer-Spielsucht. Wie Lennart mit therapeutischer Hilfe und viel Unterstützung durch seine ganze Familie den Weg aus der Sucht fand erzählt sie eindringlich in diesem Buch. Es bietet zahlreiche Denkanstöße und Überlebenstipps für Eltern im digitalen Zeitalter.

Mit dem ersten eigenen Smartphone oder Laptop öffnet sich für Kinder die verlockende Welt des Internets. Seit Beginn der Pandemie stiegen die Online-Zeiten von Kindern und Jugendlichen exorbitant. Ab wann wird die ausufernde Medien-Nutzung zur Gefahr und wo verläuft die Grenze zur internetbezogenen Störung?

Es begann harmlos

Ohne Vorwarnung verliert die dreifache Mutter Ulrike Wolpers ihren jüngsten Sohn innerhalb weniger Wochen an ein harmlos wirkendes Computerspiel. Das Familienleben wird zum Albtraum: Lennart kämpft erbittert um Bildschirmzeiten, missachtet Verbote, tätigt heimliche In-App-Käufe, um seine Gewinn-Chancen zu erhöhen und wird seinen Eltern von Tag zu Tag fremder. Streit und Misstrauen bestimmen den Alltag. Trotz unzähliger Versuche, den 10-jährigen von Brawl Stars und Fortnite loszubekommen spitzt sich die Lage soweit zu, dass Ulrike Wolpers therapeutische Hilfe sucht. Von der erschreckenden Diagnose Computerspielsucht ausgehend beginnt ein langer und anstrengender Weg für Lennart und seine Eltern.

Es gilt, den kalten Entzug zu überstehen und sich langsam an eine suchtfreie und verantwortungsvolle Medien- und Game-Nutzung heranzutasten. Eine große Herausforderung für die ganze Familie, denn Rückschläge passieren trotz aller Konsequenz. Wie es dennoch gelingt, die Sucht zu überwinden beschreibt Ulrike Wolpers in diesem sehr persönlichen Buch, in dem auch Lennart immer wieder aus seiner Perspektive erzählt.

Buchempfehlung:

"Mein fremdes Kind – Wie wir die Computerspielsucht unseres Sohnes überwanden, Ulrike Wolpers, Benevento Verlag, € 18,00

Mediensucht nimmt zu

Bereits 700.000 deutsche Kinder und Jugendliche zeigen laut der Mediensucht 2020-Studie der DAK und des Deutschen Zentrums für Suchtfragen ein riskantes oder sogar abhängiges Spielverhalten, Tendenz steigend. Ulrike Wolpers appelliert eindringlich an Eltern, hinzuschauen und ihre eigenen digitalen Kompetenzen zu erweitern, um ihre Kinder vor schädlichen medialen Einflüssen aus der Erwachsenenwelt zu schützen. Auch wenn dieser Bereich der Erziehungsarbeit viel Kraft und Durchsetzungsvermögen fordert.