Stress macht depressiv

Stress macht depressiv

Eventuell wirkt chronisch psychischer Stress als Auslöser und Verstärker von Depressionen.

Mitochondrien, die kleinen Kraftwerke unserer Zellen, können geschädigt werden und damit einen Teil der Symptome von Depression erklären. Aber wodurch werden sie beschädigt? Es war bereits bekannt, dass körperliche Verletzungen zu einer Freisetzung von Fragmenten der Mitochondrien führen können. Danach finden sich besonders erhöhte Mengen von freier DNA der Mitochondrien im Blut. Diese Fragmente sind als entzündungsfördernd bekannt und werden mit zunehmendem Alter und bei entzündlichen Erkrankungen vermehrt gefunden. Depressionen werden allerdings nicht unbedingt durch körperliche, sondern durch psychische Verletzungen ausgelöst oder verstärkt. Könnte solcher psychischer Stress, der ja auch sehr kraftzehrend ist, auch zu Mitochondrienproblemen und mehr freier mtDNA führen?

Dies untersuchten Forscher mithilfe gesunder Erwachsener. Die Teilnehmer wurden dazu, an zwei unterschiedlichen Tagen im Abstand von einem Monat, kurzem psychologischen Stress ausgesetzt. Die im Blut zirkulierende Menge von zellfreier mtDNA wurde jeweils vor und nach diesem Stressreiz sowie nach weiteren 30 Minuten gemessen. Als Stressreiz mussten die Teilnehmer eine kurze Rede vorbereiten und vortragen, in der sie sich gegenüber einer falschen Anschuldigung verteidigen mussten. Diese Situation löste bei den Teilnehmern deutlich Ängste und Ärger aus und senkte ihr Wohlbefinden.

Sozialer Stress für gesunde Menschen: Führt das auch zu mehr zellfreier mtDNA?

50 gesunde Menschen im durchschnittlichen Alter von 50 Jahren nahmen an der Untersuchung teil. Die Arbeitsgruppe untersuchte weiter in Zellen im Labor, wodurch eine solche Freisetzung von mtDNA ausgelöst werden könnte. Stress bewirkt eine ganze Kaskade von Prozessen und und Signalen im Körper und im Gehirn. Wesentliches Element ist das Stresshormon Cortisol, ein Glukokortikoid. Genau eine solche Substanz bewirkte auch bei den Zellen die Freisetzung von mtDNA – zeitlich ganz passend zum Verlauf, wie er bei der Stressantwort im Menschen und dem Anstieg der zellfreien mtDNA bekannt ist: etwa 15 Minuten nach dem Stressreiz, mit dem Höhepunkt des Anstiegs nach etwa einer Stunde.

Psychischer Stress wirkt vergleichbar zur körperlicher Verletzung – vermutlich getriggert durch Stresshormone

Die Studie demonstrierte damit, dass psychischer Stress schon bei gesunden Menschen zu einem deutlichen Anstieg der Menge zellfreier mtDNA führen kann. Auslöser für diesen Anstieg scheint die normale Stressantwort mittels Stresshormon zu sein, wie weitergehend im Labor gezeigt werden konnte. Damit ist einerseits deutlich, wie stark psychischer Stress auf den Körper einwirkt und, vor allem bei chronischem Stress, in der Folge Depressionen auslösen oder verstärken kann. Andererseits muss nun aber auch ermittelt werden, ob die Freisetzung der mtDNA eventuell einen Teil der natürlichen Stressantwort unseres Körpers darstellt – und wie diese Reaktion auf Stress weiter auf uns wirkt.


Quelle: DeutschesGesundheitsPortal / HealthCom