Sexsprechstunde: Was tun, wenn er seine Frau nicht verlässt?

Dr. Monika Wogrolly

Dr. Monika Wogrolly

Wahre Liebe oder Schattendasein: Ist das Leben als Geliebte der Königsweg, um die Romantik frisch zu halten, oder letztlich nur Frust? Therapeutin Monika Wogrolly über die Vor- und Nachteile des Parallel-Lebens.

Sybille fühlte sich als halbe Portion. Bruno heulte sich seit zwei Jahren über seine Ehekrise bei ihr aus, zog aber keine Konsequenzen. Ganz anders erging es Erika: Sie war schon seit zwanzig Jahren Dauergeliebte eines vergebenen Mannes. Beide Frauen schafften es nicht, in die „erste Reihe“ vorzurücken.

Sybille war verzweifelt: Wieder ein Weihnachtsfest ohne ihn. „Von einem Jahr zum anderen mache ich mir vor, dass sich etwas ändert. Aber immer macht seine Familie das Rennen“, seufzte die Dreißigjährige. „Das ist unfair, bin ich denn weniger wert?“Fragen wie diese sollte sich eine Dauergeliebte nicht stellen. Denn damit hat das Verhalten des Mannes nichts zu tun. Eine Außenbeziehung kann die Ehe und das Familienleben sogar stabilisieren. In der Psychologie nennt man das „Ausgleichsregulator“. Anstatt Brunos Entscheidung zu beschleunigen, seine seit Jahren konfliktgeladene Ehe zu beenden, verhinderte die Tatsache, dass es Sybille gab, dies sogar. Bruno hatte sich mit „seinen beiden Frauen“ so arrangiert, dass es für ihn keine Notwendigkeit gab, etwas daran zu verändern.

Ganz anders lagen die Dinge bei Erika. Die toughe Unternehmerin wusste genau, woran sie mit ihrem Status als Geliebte war. Ihr Freund Theo machte mit ihr all das, was seiner Ehefrau verwehrt blieb: Kreuzfahrten, romantische Ausflüge und vor allem Liebe. Während es mit seiner Frau nur um den Zusammenhalt der Familie nach außen und wirtschaftliche Verbundenheit ging, hatte Erika das Prinzessinnen-Dasein gepachtet. Die Fünfzigjährige genoss das ebenso wie den Freiraum, den ihr der Status als Geliebte bot: niemandem Rechenschaft ablegen zu müssen.

In jedem Fall rate ich Dauergeliebten, diesen Zustand zu beenden, wenn sie sich mit falschen Hoffnungen selbst hinhalten und zu Opfermenschen werden. Eine Frau darf sich nie den Lebensumständen des verheirateten Partners gleichsam selbstlos unterwerfen. Denn diese Art Anpassung macht sie nicht attraktiv, sondern kommt einer Selbstaufgabe gleich. Das Resultat ist Dauerfrust – wie bei Sybille, die ihre Beziehung zu Bruno schließlich mit der Erkenntnis beendete, keine gemeinsame Zukunftsperspektive zu haben.

Nur wenn sich die Erwartungen perfekt matchen, kann Lust statt Frust herauskommen. Allerdings: Bei Erika und Theo blieb zwar die romantische Liebe frisch, doch die Ehefrau war das Opfer, das in Lüge und Selbsttäuschung lebte. Hier braucht es eine gute Freundin (oder Therapeutin), die der betrogenen Gattin die Augen öffnet, sich selbst wichtig genug zu nehmen, um diese scheintote Ehe zu beenden und sich für eine erfüllte Liebe zu befreien.

Die Expertin:

Dr. Monika Wogroll, yPsychotherapeutin in der Privatklinik St. Radegund und in freier Praxis in Graz und Wien. Web: www.wogrollymonika.at

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Fragen an: praxis@wogrollymonika.at