Kommunikations-Killer Alltag

Kommunikations-Killer Alltag

Chefredakteurin Kristin Pelzl-Scheruga braucht ein Date mit ihrem Mann

Haben sich Paare, die seit über 20 Jahren verheiratet sind, noch etwas zu sagen?

Ich frage als Betroffene.

Wir reden im ressourcen-fordernden Alltag oft nur mehr in Halbsätzen miteinander. „Holst du X?“, „Wird später heute!“ „Essen im Kühlschrank unten!“ Manchmal smsen wir auch nur mehr:
„Kaffee aus. Nimm Butter mit!“
Und als Antwort kommt ein „OK“, ein Daumen-Hoch-Zeichen, an guten Tagen zusätzlich mit Kuss-Emoji. Immerhin!

Privates Business-Date

Logotherapeut Christoph Schlick vom Sinnzentrum Salzburg, den ich für unsere Magazinausgabe zu seinem neuen Buch („Die Glut in dir. Entfache das Feuer deiner Potenziale“, Scorpio) interviewt habe, kennt dieses Problem. Paare haben kaum Zeit füreinander. Erst recht nicht, wenn sie Kinder haben. Schlick rät deshalb, mit dem Partner oder mit der Partnerin Termine zu vereinbaren, wie man das auch mit Geschäftspartnern tun würde. Also etwa ein Frühstücks-Meeting außer Haus.

Gute Idee? Wir haben es ausprobiert. Unser Termin: Samstagvormittag im Café Europa. Getrennt hinzufahren ist uns zu umständlich, also beginnt unser Treffen schon im Auto. Das lassen wir in Ottakring stehen und nehmen die U-Bahn Richtung Neubau-Viertel. Das Teenager-Mädchen schläft noch. Wir sind zu zweit, wie früher.

Alte Erinnerungen à la Harry & Sally

Zu Studenten-Zeiten war ich oft im Europa. Der Beste auch. Wir erwischen einen Platz in der Sonne, bestellen Spiegeleier, Baked Beans und Avocado-Brote und wärmen Erinnerungen auf. Weißt du noch …? Ein bisschen sitzen wir jetzt da wie die alten Paare in „Harry & Sally“, die sich nicht immer ganz einig sind, wie sie die Geschichten ihrer Jugend erlebt haben.

Wir beobachten die anderen Gäste und besprechen endlich wirklich Relevantes: Den neuen James Bond in 3D anschauen oder normal? Herbsturlaub am Meer oder in den Bergen? Marillenmarmelade vom Hofer oder von Staud’s? Und landen wieder einmal bei einer Style-Diskussion: ich bin der Meinung, dass es keine funktionale Mode gibt, die gut aussieht, während der Beste selbst neonfarbene Radtrikots cool findet.

Natürlich kann ich ihn nicht überzeugen. Macht aber nichts. Es ist schön zu reden und vielleicht sogar noch schöner, zuzuhören. Das Allerschönste aber: zu wissen, dass uns der Gesprächsstoff auch in hundert Jahren nicht ausgehen wird. Oder zumindest, solange es das Café Europa gibt.


Kristin Pelzl-Scheruga ist Chefredakteurin von Lust aufs LEBEN


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